René Haas «Wir befähigen die Mitarbeitenden»

Über 8000 Mal klingelte in 2020 das Telefon beim Rechtsdienst der Hotel & Gastro Union. René Haas gibt Auskunft, worum es meistens ging und warum es wenig Gerichtsfälle gab.

René Haas: «Es macht Freude, die Mitarbeitenden des Gastgewerbes zu befähigen, sich für ihre Rechte selbst einzusetzen.»

René Haas, wie haben sich die Beratungen im letzten Jahr entwickelt?
René Haas: Wir hatten viel mehr Anrufe als in den Vorjahren, nämlich über 8000. Auch die Beratungen haben sich verdreifacht auf rund 2000. Dagegen hatten wir nur 200 Rechtsfälle gegenüber rund 300 im Jahr 2019.

Wie unterscheiden sich Rechtsfälle von Beratungen?
Ein Rechtsfall ist, wenn wir intervenieren, also wenn wir zum Beispiel beim Arbeitgeber vorstellig werden. Unter Rechtsberatung fallen  Gespräche, die über 20 Minuten dauern, oder Fragen, die wir schriftlich beantworten.

«Es macht Freude, die Mitarbeitenden des Gastgewerbes zu befähigen, sich für ihre Rechte selbst einzusetzen.»


Wieso haben die Rechtsfälle abgenommen?
Dafür gibt es zwei Hauptgründe. In Krisenzeiten suchen die Mitarbeitenden nicht die Konfrontation mit dem Chef. Sie wollen einfach mal wissen, was Sache ist. Zum anderen ist es unser Ziel, die Mitarbeitenden zu befähigen, eben selbst mit ihrem Chef das Gespräch zu suchen. Die Hotel & Gastro Union will das Selbstbewusstsein und die Eigenverantwortung der Mitglieder fördern. Und dieses Selbstbewusstsein haben die meisten Gastgewerbler.

Wieso haben die Beratungen so stark zugenommen, und was wollten die Mitarbeitenden vor allem wissen?
Wir hatten viele Anrufe aufgrund der Corona-Krise. So ging es in den meisten Beratungen auch um Themen rund um Corona: also Lockdown, Kurzarbeit, Schutzkonzepte und Lohn. Zudem haben nicht nur Mitarbeitende angerufen, sondern auch Arbeitgeber, Behörden und Institutionen.

Waren das alles Mitglieder?
Nein, wir geben auch Nichtmitgliedern Auskunft. Allerdings nur zu den Fragen, die den Landes-Gesamtarbeitsvertrag betreffen. Wenn sie mehr Beratung wollen, müssen sie Mitglied werden. Für uns ist das auch eine gute Gelegenheit, den Nichtmitgliedern zu erklären, was die Hotel & Gastro Union ist und macht.

Und was sagen Sie ihnen?
Die Hotel & Gastro Union ist  eine Selbsthilfeorganisation. Die Mitglieder sind es, die sich für bessere Arbeitsbedingungen und für die Berufsbildung einsetzen. Serviceleistungen wie den Rechtsdienst gibt es nur dank der Beiträge, die die Mitglieder jährlich zahlen.

Sie selber sind schon über 30 Jahr im Rechtsdienst der HGU tätig. Wieso machen Sie das schon so lange?
Weil die Mitglieder grossartige Leute sind und es toll ist, mit ihnen zusammenzuarbeiten. Es fehlt Ihnen weder an Humor noch an Selbstbewusstsein. Zudem suchen wir nicht die Konfrontation mit den Chefs, sondern das Gespräch und zeigen auf, was Sache ist. So finden wir meist eine Lösung. Deshalb müssen wir nur selten vor Gericht gehen. Wenn es nötig ist, machen wir auch das – zum Wohl des Mitglieds und der Gerechtigkeit wegen.

(Mario Gsell)


Zur Person

René Haas arbeitet im Rechtsdienst der Hotel & Gastro Union. Er ist 57-jährig und hat einen kaufmännischen Hintergrund. Er hat sich zum Sozialversicherungsfachmann weitergebildet. Zudem ist er auch Ausbildner.